Manche Orte besucht man während einer Reise einmal, schaut sich alles an und fährt anschließend weiter. Und dann gibt es Orte, zu denen man unbedingt noch einmal zurückkehren möchte. Dungeness gehörte für uns eindeutig zur zweiten Kategorie. Während unserer drei Reisen nach England in den Jahren 2017, 2018 und 2019 führte uns unser Weg tatsächlich jedes Mal wieder hierher. Irgendetwas hatte diese ungewöhnliche Landschaft ganz im Süden der Grafschaft Kent, was uns nicht losließ.

Vielleicht war es die Mischung aus Meer und scheinbar endlosen Kiesflächen. Vielleicht der schwarze Leuchtturm, der schon von Weitem aus der flachen Landschaft herausragt. Oder die kleine Eisenbahn, die mitten durch diese eigenartige Kulisse fährt. Wahrscheinlich war es einfach alles zusammen. Und natürlich durfte bei unseren Besuchen auch der Aufstieg auf den Leuchtturm nicht fehlen.
Dungeness – die Schotterwüste
Schon die Landschaft rund um Dungeness ist ungewöhnlich. Statt grüner Wiesen, dichter Wälder oder eines klassischen englischen Seebades breitet sich hier eine riesige Kieslandschaft aus. Dungeness ist auch bekannt als Schotterwüste und liegt gefühlt am Ende der Welt.

Zwischen den Steinen wachsen niedrige Pflanzen und Büsche, dazwischen stehen vereinzelt Häuser, alte Schuppen und Boote. Eisenbahnschienen ziehen sich durch die Landschaft, am Horizont steht das Kraftwerk und mittendrin ragen die Leuchttürme in den Himmel. Dazu kommt das Meer. Auf den ersten Blick wirkt Dungeness fast karg. Je länger wir dort unterwegs waren, desto spannender wurde es jedoch.
Romney, Hythe & Dymchurch Railway (RH&DR)
Wir waren zwar ohne Hund (Emma gab es da noch nicht) in England, aber die gute Nachricht ist, Hunde dürfen mit der RH&DR mitfahren. Es wird empfohlen in ein geschlossenes Abteil zu gehen. Die Fahrt für den Hund ist in der Regel kostenlos. Bei speziellen Veranstaltungen kann eine kleine Gebühr anfallen.

Die kleine Romney, Hythe & Dymchurch Railway gehört für uns untrennbar zu dieser Gegend. Die historische Schmalspurbahn verbindet mehrere Orte an der Küste von Kent miteinander. Bereits seit 1928 fahren die Züge bis nach Dungeness. Auch heute gehört Dungeness weiterhin zu den Stationen der Bahn.

Und klein ist hier durchaus wörtlich gemeint. Die Züge sehen fast wie eine Miniaturausgabe einer richtigen Eisenbahn aus. Mit kleinen Dampflokomotiven, schmalen Wagen und entsprechend niedrigen Einstiegen. Gerade mit Kind war das natürlich ein Erlebnis.
Streckenverlauf der RH&DR
Wir sind in Dungeness mit der RH&DR gestartet. Der Streckenverlauf führt dann weiter über Romney Sands, New Romney, St. Mary’s Bay, Dymchurch und Hythe.

Man kann jederzeit auf der Strecke aussteigen, die Gegend erkunden und dann in die nächste Bahn wieder einsteigen und weiterfahren oder zurück fahren. Auf den einzelnen Bahnhöfen gibt es zum Teil auch etwas zu sehen. In Dungeness gibt es den Leuchtturm und das National Nature Reserve. In New Romney gibt es zum Beispiel die Model Railway Exhibition (Hunde haben dort keinen Zutritt) und in Hythe den Coffee Shop & Tea Room.
Nächster Halt, New Romney
Den ersten Ausstieg haben wir in New Romney unternommen, da wir uns dort die RH&DR Model Railway Exhibition anschauen wollten. Es ist ein kleiner, süßer Bahnhof, der sogar einen Tunnel hat. Der Bahnhof ist überdacht, damit man es selbst bei schlechtem Wetter hier aushalten kann, wenn man warten muss. Für Kinder gibt es hier einen Spielplatz und man kann etwas essen.


Selbst auf dem Bahnhof, gab es für uns einiges zu sehen. Von den einzelnen kleinen Wagons, bis hin zu den Loks, an denen teilweise gearbeitet wurde.



Danach ging es für uns in die Modelleisenbahnausstellung, die einiges zu bieten hat. Mit ihrem Bau wurde bereits 1973 begonnen, im Mai 1978 ging sie erstmals für Besucher in Betrieb. Bis heute arbeitet die Anlage mit dem ursprünglich entwickelten System, ganz ohne Computersteuerung.



Auf der weitläufigen Anlage ist ordentlich Betrieb: Zahlreiche Modellzüge fahren gleichzeitig durch die Miniaturlandschaft, verschwinden in Tunneln, passieren Bahnhöfe und begegnen sich auf den verschiedenen Strecken. Je nach Betrieb sind zwischen 18 und 24 Züge gleichzeitig unterwegs.



Spannend fand ich außerdem, dass die Ausstellung nicht nur aus der eigentlichen Modelleisenbahn besteht. Ein Teil beschäftigt sich mit der Geschichte der RH&DR und der Region. Dabei geht es unter anderem um die Rolle der Bahn während des Zweiten Weltkriegs, den gepanzerten Zug zur Verteidigung der Küste und die Verbindung zu den Sound Mirrors bei Lade sowie zur PLUTO-Pipeline bei Dungeness.

Nächster Halt, Dymchurch
Von New Romney ging es für uns weiter zum nächsten Ausstieg in Dymchurch. Dymchurch hat einen tollen Strand, den wir uns anschauen wollten und es gibt dort auch einen Amusementpark, wo Kinder Spaß haben können.


Vom Bahnhof in Dymchurch sind es nur ein paar Minuten, bis man durch den Ort zum Strand gelangt. Dort gibt es einen wunderschönen, großen Sandstrand und eine tolle Strandpromenade, mit vielen Sitzflächen.



Bei unserem Besuch am Strand war es anfangs so windig, dass wir ein kostenloses Sandpeeling bekommen haben. Auf dem Weg dorthin haben wir für Martin einen Eimer, eine Schaufel und ein Netz gekauft, da wir nach Krebsen Ausschau halten wollten. Gefunden haben wir aber nur Muscheln.



Danach ging es wieder durch den Ort zurück in Richtung Bahnhof, um von dort den nächsten Zug zu unserem letzten Halt zu nehmen.
Nächster Halt, Hythe
Unser nächster Halt war Hythe, was für uns auch gleichzeitig die Endhaltestelle war.



Hier konnte man sich die verschiedenen Loks ganz genau anschauen, während man auf den Zug für die Rückfahrt gewartet hat. Es war wirklich sehr interessant diese alten Maschinen ganz aus der Nähe zu sehen.


Rückfahrt nach Dungeness
Mit dem Zug ging es dann wieder zurück in Richtung unserer Starthaltestelle. Da wir nirgendwo mehr ausgestiegen sind, konnten wir uns in Ruhe die Gegend anschauen.



Teilweise führt die Bahnstrecke ganz dicht an den Wohngrundstücken vorbei, wo man in die Gärten der Leute schauen kann. Wir haben unterwegs auch einen Hund gesehen, der während der Fahrt nach draußen geschaut hat.



Zurück in Dungeness – Erst einmal ans Meer
Natürlich führte uns unser Weg auch hinunter zum Wasser. Wer bei einem englischen Küstenort automatisch an feinen Sandstrand denkt, wird in Dungeness allerdings überrascht. Hier besteht der Strand aus unzähligen Kieselsteinen. Martin störte das wenig.

Steine sammeln, Muscheln suchen und schauen, was das Meer so alles anspült, funktioniert schließlich auch ohne Sand. Und während im Hintergrund die Wellen an den Kiesstrand rollten, konnte man wunderbar an der Küste entlanglaufen. Wir haben natürlich auch Steinweitwurf gemacht.

Für uns gehört genau das zu unseren Erinnerungen an Dungeness keine Strandpromenade mit Souvenirläden und Eisdielen, sondern Meer, Wind und unglaublich viel Platz.

Am Strand von Dungeness, gab es auch noch eine historische Sehenswürdigkeit zu bestaunen, den Dungeness New Lighthouse. Er ist 40 Meter hoch und wurde zwischen 1959 und 1960 erbaut.

Der Old Lighthouse – 169 Stufen nach oben
Das Wahrzeichen, das uns besonders interessierte, war der Old Lighthouse of Dungeness.

Der markante schwarz-weiße Leuchtturm wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und 1904 offiziell eröffnet. Bis 1960 wies sein Licht Schiffen vor der Küste den Weg. Dann wurde der Leuchtturm außer Betrieb genommen, weil das neu entstehende Kraftwerk das Leuchtfeuer teilweise verdeckte.

Heute darf man hinein. Und natürlich wollten wir nicht nur davorstehen, wir wollten nach oben. Also ging es Stufe für Stufe durch den Turm hinauf. 169 Stufen mussten bis zur Spitze bewältigt werden und spätestens auf den letzten Metern merkt man durchaus, dass ein Leuchtturm eben keinen gemütlichen Spazierweg nach oben besitzt. Aber oben angekommen war die Anstrengung ziemlich schnell vergessen.
Was für eine Aussicht!
Von oben bekommt man erst ein Gefühl dafür, wie außergewöhnlich Dungeness tatsächlich ist.


Unter uns breitete sich die riesige Kieslandschaft aus. Kleine Straßen und Wege durchzogen die Ebene, dazwischen verliefen die Gleise der Schmalspurbahn. In der Ferne lag das Meer und über uns zogen beeindruckende Wolkenformationen hinweg.


Auf der anderen Seite bot sich ein vollkommen anderes Bild. Dort dominierte das riesige Kraftwerksgelände die Landschaft.


Natur, Meer, Eisenbahn, Leuchtturm und Industrie liegen in Dungeness unmittelbar nebeneinander. Eigentlich Dinge, die überhaupt nicht zusammenpassen sollten und gerade deshalb ergibt sich hier eine Kulisse, die man so schnell nicht vergisst.

Heute hat sich beim Kraftwerk übrigens einiges verändert. Dungeness B erzeugt keinen Strom mehr und befindet sich seit 2021 in der sogenannten Defuelling-Phase. Bei unseren Besuchen sah das natürlich noch anders aus.
Und danach gab es erst einmal etwas zu essen
Nach dem Leuchtturm und der vielen frischen Seeluft kam irgendwann der Hunger. Im Bahnhof von Dungeness gibt es das The End of the Line Restaurant.

Und manchmal braucht es für eine schöne Urlaubserinnerung gar kein aufwendiges Menü. Pommes reichen völlig. Auf unserem Foto steht eine ordentliche Portion englischer Chips vor uns, dazu Ketchup, Mayonnaise und etwas zu trinken. Natürlich gibt es hier auch das original englische Frühstück.

Auf dem Tischaufsteller ist die Romney, Hythe & Dymchurch Railway zu sehen. Im Restaurant kann man drin speisen oder man geht auf die schöne Terrasse und beobachtet von dort die ankommenden Züge.

Ein Ort, an den wir immer wieder zurückkehrten
Dass wir Dungeness während unserer England-Reisen dreimal besucht haben, war kein Zufall. Wir hatten dort einfach jedes Mal unglaublich viel Spaß.


Und obwohl wir den Leuchtturm schon kannten, die Bahn schon gefahren waren und wussten, wie die Landschaft aussieht, wurde Dungeness für uns nicht langweilig.
Warum Dungeness so besonders ist
Dungeness ist keine klassische Sehenswürdigkeit, bei der man vor einem berühmten Gebäude steht, ein Foto macht und anschließend weiterfährt. Eigentlich ist der ganze Ort die Sehenswürdigkeit.

Das Meer und der Kiesstrand. Die kleinen Häuser zwischen den Steinen. Die Schienen mitten in der Landschaft. Die Miniatureisenbahn. Die beiden Leuchttürme. Und direkt daneben das gewaltige Kraftwerk.

Hinzu kommt eine überraschend wertvolle Natur. Die Landschaft besitzt wegen ihrer Pflanzen-, Insekten- und Vogelwelt internationale Bedeutung und große Teile des Gebietes stehen unter Naturschutz. Vielleicht ist es genau dieser Gegensatz, der Dungeness so faszinierend macht.
Unser Fazit zu Dungeness
Es gibt schönere Strände in England, dass ist ganz klar. Man braucht sich nur Dymchurch anschauen. Es gibt größere Sehenswürdigkeiten und auch viele Leuchttürme, aber dieser hier ist etwas besonderes, weil man auch ins Innere kann. Und vermutlich gibt es Orte, die auf den ersten Blick spektakulärer wirken.

Trotzdem gehört Dungeness für uns zu den Orten in England, an die wir besonders gerne zurückdenken. Denn hier hatten wir etwas, das man nicht planen kann, wir hatten einfach Spaß.

Wir liefen über den Kiesstrand, standen am Meer, fuhren mit der kleinen Eisenbahn durch Kent, kletterten die 169 Stufen des alten Leuchtturms hinauf, schauten von oben über diese eigenartige Landschaft und stärkten uns anschließend mit einer Portion Pommes.
Gut zu wissen – Dungeness heute
Wer Dungeness heute besuchen möchte, kann den Old Lighthouse weiterhin besichtigen und den Turm hinaufsteigen. Die Öffnungstage ändern sich im Jahresverlauf und können auch wetterbedingt angepasst werden. Deshalb würde ich vor einem Besuch unbedingt auf der offiziellen Seite nach den aktuellen Zeiten schauen.
Auch die Romney, Hythe & Dymchurch Railway fährt weiterhin nach Dungeness. Fahrpläne variieren je nach Saison. Praktisch für Hundebesitzer, Hunde dürfen aktuell gegen eine kleine Gebühr in den Zügen mitfahren.
Der Strand bei Dungeness ist dagegen kein klassischer Badestrand. Die Bahn weist ausdrücklich darauf hin, dass der Strand steil abfällt und an der Landspitze starke Strömungen auftreten können.
Old Lighthouse Dungeness – offizielle Besucherinformationen
Romney, Hythe & Dymchurch Railway – Fahrpläne und Tickets
RSPB Dungeness – Naturschutzgebiet

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