Einmal 150 Meter unter der Erde stehen, mit einer Grubenbahn durch dunkle Stollen fahren und erleben, unter welchen Bedingungen Bergleute früher Eisenerz abbauten? Genau das kann man im Besucherbergwerk Grube Fortuna bei Solms in Mittelhessen erleben.

Unser Besuch liegt inzwischen einige Jahre zurück. Damals war mein Sohn Martin noch deutlich jünger und Emma gehörte noch nicht zu unseren gemeinsamen Ausflügen. Die zahlreichen Fotos von diesem Tag schlummerten deshalb lange in meinem Archiv. Viel zu schade eigentlich, denn die Grube Fortuna ist ein Ausflugsziel, das uns bis heute in Erinnerung geblieben ist. Und deshalb nehmen wir euch heute mit, hinab unter die Erde.
Ein Stück Bergbaugeschichte in Mittelhessen
Die Grube Fortuna liegt bei Solms-Oberbiel im Lahn-Dill-Kreis und erinnert an eine Zeit, in der der Eisenerzbergbau die Region entscheidend prägte. Die Geschichte des Bergbaus an diesem Ort reicht weit zurück. Bereits 1847 finden sich schriftliche Hinweise auf Erzvorkommen im Bereich der späteren Grube Fortuna. Zwei Jahre später wurde das Grubenfeld „Fortuna“ an den Fürsten zu Solms-Braunfels verliehen.

1906 ging die Grube zusammen mit weiteren Bergwerken in den Besitz der Firma Friedrich Krupp aus Essen über. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Abbau immer weiter modernisiert. Schächte wurden vertieft, Maschinen hielten Einzug und die Förderung des Eisenerzes wurde zunehmend mechanisiert. 1974 erreichte die Grube mit 130.663 Tonnen ihre höchste Jahresförderung.

Doch nur wenige Jahre später näherte sich die Zeit des aktiven Bergbaus ihrem Ende. Am 3. März 1983 wurde die letzte Förderschicht gefahren, am folgenden Tag wurde die Grube geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch 43 Bergleute hier. Zum Glück bedeutete das nicht das endgültige Ende der Fortuna.

Noch im selben Jahr wurde ein Förderverein gegründet, der sich für den Erhalt der Anlage einsetzte. Ab 1985 begann der Ausbau zum Besucherbergwerk und am Pfingstmontag 1987 öffnete die Grube schließlich für Besucher. Heute kann man hier selbst erleben, wie es sich anfühlt, tief unter der Erde unterwegs zu sein.
Bevor es unter die Erde geht
Schon die Anlagen über Tage vermitteln einen Eindruck davon, dass die Fortuna einmal ein richtiger Arbeitsplatz und keine für Besucher gebaute Kulisse war.

Zum Gelände gehören unter anderem das historische Zechenhaus, das Fördermaschinenhaus, die Kipphalle und der Erzbunker. Im Bergbaumuseum erfährt man mehr über den Bergbau, die Geologie und das Leben und Arbeiten der Bergleute. Doch das eigentliche Abenteuer wartet natürlich unter Tage. Für unseren Besuch hieß es deshalb irgendwann: Helm auf und Glück auf!
Mit dem Förderkorb auf die 150-Meter-Sohle
Der Weg in die Tiefe ist wahrscheinlich einer der Momente, die besonders im Gedächtnis bleiben. Zunächst geht es durch den Stollen zum Schacht. Dort wartet der Förderkorb. Und dann geht es hinunter. Nicht ein paar Meter, sondern bis auf die 150-Meter-Sohle.

Wer normalerweise mit einem Aufzug in den dritten oder vierten Stock fährt, bekommt hier plötzlich eine ganz andere Vorstellung davon, was „unter Tage“ eigentlich bedeutet. Unten angekommen verändert sich die Atmosphäre sofort. Tageslicht gibt es hier natürlich keines mehr. Fels, Stollen, Schienen und technische Anlagen bestimmen das Bild. Und genau hier beginnt der Teil der Führung, bei dem man dem früheren Arbeitsalltag der Bergleute besonders nahekommt.
Mit der Grubenbahn durch den Berg
Nach der Fahrt mit dem Förderkorb geht es mit einer Grubenbahn weiter in den Vorführbereich des Bergwerks. Allein diese Fahrt war für Martin und mich damals natürlich schon ein Erlebnis. Die Bahn fährt durch die engen Stollen und bringt die Besucher zu verschiedenen Stationen, an denen erklärt wird, wie das Eisenerz gewonnen und aus dem Berg transportiert wurde.


Dabei wird schnell deutlich, wie körperlich anstrengend und zugleich gefährlich die Arbeit unter Tage gewesen sein muss. Heute stehen wir mit Helm und Beleuchtung dort und wissen, dass wir nach der Führung wieder ans Tageslicht zurückkehren. Für die Bergleute war dieser Ort dagegen täglicher Arbeitsplatz.
Maschinen, Bohrhammer und Sprengungen
Besonders spannend ist, dass in der Grube nicht nur Maschinen herumstehen und betrachtet werden können. Während der Führung werden historische Arbeitsabläufe und verschiedene Originalmaschinen erklärt und teilweise vorgeführt.

Zu sehen sind beispielsweise Bohrgeräte und unterschiedliche Lademaschinen, mit denen die Arbeit im Laufe der Jahrzehnte immer stärker mechanisiert wurde. Mit Bohrhämmern wurden Löcher für Sprengungen in den Fels gebohrt. Anschließend musste das herausgesprengte Material aufgenommen und weitertransportiert werden.



An einem Sprengschema lässt sich nachvollziehen, wie eine solche Sprengung vorbereitet und durchgeführt wurde. Wenn man unmittelbar vor diesen Maschinen steht, bekommt man eine wesentlich bessere Vorstellung von den Arbeitsbedingungen als durch Fotos oder Beschreibungen allein. Vor allem der Lärm lässt erahnen, was die Bergleute hier unten Tag für Tag erlebt haben müssen.

13 Grad – das ganze Jahr
Unter Tage herrscht ein ganz eigenes Klima. In der Grube liegen die Temperaturen bei ungefähr 13 Grad Celsius. Das ist im Sommer angenehm kühl, kann aber nach einiger Zeit durchaus frisch werden. Eine Jacke oder ein Pullover gehört deshalb auch an warmen Sommertagen ins Gepäck.
Festes Schuhwerk ist ebenfalls sinnvoll, schließlich befindet man sich in einem echten ehemaligen Bergwerk und nicht in einem gewöhnlichen Museum. Helm und Geleucht werden für die Führung vor Ort zur Verfügung gestellt.
Ein Ausflug, der auch Kindern Bergbaugeschichte näherbringt
Martin war bei unserem Besuch noch wesentlich jünger als heute. Gerade deshalb ist mir die Grube Fortuna als Familienausflug in Erinnerung geblieben. Bergbaugeschichte klingt für Kinder zunächst vielleicht nicht unbedingt nach einem spannenden Tagesausflug.

150 Meter mit einem Förderkorb in die Tiefe fahren, anschließend in eine Grubenbahn steigen, durch echte Stollen fahren und riesige Maschinen erleben, dass sieht dann schon ganz anders aus. Geschichte wird hier nicht nur auf Informationstafeln vermittelt. Man befindet sich mitten an dem Ort, an dem sie stattgefunden hat. Die reguläre einstündige Grubentour wird heute für Kinder ab sechs Jahren angeboten. Für jüngere Kinder gibt es spezielle Angebote auf der Stollensohle.
Und was ist mit Hunden?
Für Emma wäre dieser Ausflug leider nichts. Haustiere dürfen nicht mit in das Besucherbergwerk genommen werden. Wer die Grube Fortuna während eines Urlaubs mit Hund besuchen möchte, muss deshalb vorher eine Betreuung organisieren. Da unser Besuch damals noch ohne Emma stattfand, stellte sich diese Frage für uns nicht. Heute wäre das natürlich einer der ersten Punkte, die ich bei der Planung berücksichtigen würde.
Was gibt es über Tage noch zu entdecken?
Nach der Rückkehr ans Tageslicht muss der Besuch noch nicht vorbei sein. Auf dem Gelände gibt es unter anderem das Bergbaumuseum und das Fördermaschinenhaus zu entdecken. Auch die historischen Tagesanlagen gehören zum Erlebnis Grube Fortuna.

Wer noch mehr Zeit mitbringt, kann sich außerdem mit dem BergbauTrail beschäftigen oder das benachbarte Feld- und Grubenbahnmuseum in die Planung einbeziehen. Auf dem Gelände befindet sich außerdem die Grubengaststätte „Zum Zechenhaus“. Damit lässt sich aus der eigentlichen Grubenführung problemlos ein längerer Ausflug machen.
Unser Fazit zur Grube Fortuna
Obwohl unser Besuch inzwischen einige Jahre zurückliegt, erinnere ich mich noch gut an die Fahrt in die Tiefe und an die Atmosphäre unter Tage. Genau das macht Besucherbergwerke für mich so interessant: Man liest nicht nur über die Vergangenheit, sondern steht plötzlich mitten darin.

Die Fahrt mit dem Förderkorb auf die 150-Meter-Sohle, die Grubenbahn, die Maschinen und die engen Stollen vermitteln zumindest eine Ahnung davon, unter welchen Bedingungen hier früher gearbeitet wurde.

Für Martin war die Grube damals vor allem ein spannender Ausflug. Für mich war sie gleichzeitig ein interessanter Einblick in die Industriegeschichte unserer Region. Und wenn ich heute durch die rund 50 Fotos unseres damaligen Besuchs schaue, bin ich froh, dass sie nicht einfach auf der Festplatte verschwinden. Die Grube Fortuna hat definitiv einen Platz auf Emma’s Pfoten-Abenteuer verdient, ausnahmsweise einmal ganz ohne Pfoten.
🐾 Weiterführende Infos
Weitere Informationen zum Besuch in der Grube Fortuna, findet ihr auf der offizielle Webseite: https://grube-fortuna.de/

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